Perspektivgruppe

PG - logo

Hilfeart und Klientel

Die Perspektivegruppe mit integriertem Kindernotdienst bietet Leistungen im Rahmen der §§ 42, 34 und 41 SGB VIII an. Kinder und Jugendliche können also bei akuter Gefährdung in Obhut genommen werden, in der Perspektivgruppe können zusätzlich zu der Funktion der Inobhutnahme Kinder und Jugendliche aufgenommen werden, in deren Familien eine nicht akute, jedoch schwelende Krise besteht. Für beide Unterbringungsformen gilt, dass neben den elementaren Schutz- und Gewährleistungsfunktionen die Aufgabe erfüllt wird, die Situation zu klären und Perspektiven zu entwickeln. Es werden Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren aufgenommen, Leistungen nach § 41 SGB VIII sind möglich, die Unterbringung von Kindern unter 6 Jahren kann im Ausnahmefall erfolgen. Für Kinder und Jugendliche in einer schwelenden Krise ist eine Aufnahme ohne vorherige Inobhutnahme möglich. Eine Aufnahme ist nicht möglich bei ausgeprägter Selbst- und Fremdgefährdung, bei psychotischen Problemen, bei gravierenden Suchtproblemen und Suchterkrankungen, bei bestimmten Formen geistiger und körperlicher Behinderung sowie bei bestimmten Krankheiten, die eine intensive ärztliche Betreuung erfordern.

 

Pädagogisches Angebot

Das Angebot ist zentriert um die drei Funktionen des Schutzes, der Krisenintervention und des Findens bedarfsgerechter Perspektiven. Gewährleistet wird eine 24-Stunden-Betreuung durch ein pädagogisch geschultes Team, das auf die aktuellen Bedürfnisse, aber auch Gefährdungen des Kindes oder Jugendlichen angemessen reagieren kann. Um die Betreuungszeit möglichst kurz zu halten, wird immer an einer zügigen Erarbeitung bedarfsgerechter Perspektiven gearbeitet. Diese Perspektiven können ebenso in einer Reintegration des jungen Menschen in die Herkunftsfamilie wie im Übergang in andere professionelle Hilfen bestehen. Zur Erarbeitung dieser Perspektiven gehört aber auch die Förderung der Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder und Jugendlichen.

Der Erreichung dieser Ziele dienen folgende pädagogische Prinzipien und Arbeitsformen: Wegen der akuten oder zumindest schwelenden Gefährdung der Kinder und Jugendlichen hat der Prozess der Aufnahme und der dabei erfolgenden Problemklärungen einen besonderen Stellenwert. Grundsätzlich wird von der leitenden Erzieherin oder dem Dienst habenden Erzieher ein Aufnahmegespräch zur Klärung der Lage geführt, ebenfalls werden die Leistungen bereit gestellt, die situativ unmittelbar nötig sind, von der Gewährung nötiger medizinischer Leistung bis zur Sicherstellung des Unterhaltes. Ebenso ist es wichtig, unmittelbar eine angemessene Krisenintervention sicherzustellen, selbstverständlich haben auch all die Informationsprozesse und Kontakte zu erfolgen, die rechtlich gefordert sind.

Etwas unterschiedlich ist das Verfahren bei jungen Menschen, die nicht die Inobhutnahme durchlaufen, hier erfolgen grundsätzlich Informationsgespräche mit der zuständigen Fachkraft des Jugendamtes, ein Kennenlerngespräch im bisherigen Umfeld des Kindes oder Jugendlichen, ein Vorstellen der Einrichtung und eine darauf gestützte Vorbereitung der Aufnahme.

Die Leistungen in beiden Bereichen können hier nicht detailliert durchbuchstabiert werden, wir wollen nur deutlich machen, dass je nach der akuten oder schwelenden Gefährdungssituation die Einrichtung sich darauf einstellt, die nötigen Leistungen möglichst schnell und kompetent bereitzustellen. Die dann im Einzelnen angebotenen pädagogischen Leistungen zeichnen sich durch eine bestimmte Grundhaltung und methodische Ansätze aus. Sie erfolgen ferner durch Strukturierung und Gestaltung des Alltags, durch spezifisches Eingehen auf den einzelnen jungen Menschen, durch Kontakte nach außen, vor allem zu den Herkunftsfamilien, zum Jugendamt und zu Schulen. Insgesamt sind sie darauf ausgerichtet, neben der unmittelbaren Hilfe, eine Klärung zu erreichen und relativ kurzfristig weitere Perspektiven zu entwickeln.

Was die Grundhaltung betrifft, so ist die Arbeitsweise der Inobhutnahmestelle kindzentriert. Sie akzeptiert das Kind oder den Jugendlichen so, wie er momentan ist. Versucht wird auch, eine Beziehung aufzubauen, die emotionale Lage des jungen Menschen zu erkennen und zu respektieren, ihn grundsätzlich zu achten und ihn in seiner Autonomie zu respektieren und zu fördern. Diese Grundhaltungen gelten unabhängig davon, ob ein Kind in Obhut genommen wurde oder ob es sich in der Perspektivgruppe befindet. Die daraus folgenden Handlungsweisen werden jedoch nach Ausprägung der Krise individuell gestaltet und ausgeprägt. Trotz der eher kurzfristigen Ausprägung der Unterbringung halten wir es für außerordentlich wichtig, dass die jungen Menschen sich in einer transparenten Situation mit überschaubaren sozialen Regeln, stabilen Ritualen und angemessenen Interaktionsformen befinden. Dazu dient vor allem ein strukturierter Alltag mit wiederkehrenden Ritualen und verlässlichen Normen und Regeln.

Innerhalb dieses Rahmens ist dann ein angemessener Umgang mit dem jungen Menschen, die Aufarbeitung der aktuellen Problemlage und Biographie, die Erarbeitung und Umsetzung von Erziehungsplänen, der Abbau von Fehlverhalten und eine detaillierte Klärung der Problemlagen möglich.

Nach außen flankiert wird dies zunächst durch Zusammenarbeit mit den Eltern und Familien, die entsprechend der Problemlösung in enger Abstimmung mit dem Jugendamt erfolgen muss. In der Beratung muss selbstverständlich situativ und dem Einzelfall angemessen vorgegangen werden. Es kann sich vor allem um die elementare Bearbeitung einer bestehenden Problematik, um die Klärung der Beziehungsdynamik sowie um die Entwicklung einer Perspektive für das Kind handeln. Auch die konkreten Lebensumstände werden miteinbezogen.

Je nach den Problemlagen kann die Hilfe in unterschiedlichen Settings erfolgen, es kann sich um Familienberatung, Elternberatung, Beratung familiärer Subsysteme oder auch um die Einzelberatung von Familien handeln.

Bei den Eltern, deren Kinder oder Jugendliche sich in der Perspektivgruppe befinden, werden Elternbesuche durchgeführt, um eine intensivere Elternarbeit zu erzielen. Ihnen wird auch eine Besichtigung der Einrichtung ermöglicht, um einen Einblick in die derzeitige Lebenssituation ihres Kindes während seines Aufenthaltes in der Perspektivgruppe zu gewinnen.

Insgesamt werden also ganz unterschiedliche Formen der Eltern- und Familienkooperation durchgeführt, die jeweils auf das individuelle Problem und die Lage sowohl des jungen Menschen wie der Familie abgestimmt sind.

Angeboten wird ebenfalls eine tägliche schulische Förderung im Rahmen eines strukturierten Angebots. Dies ist besonders wichtig, wenn der Aufenthalt etwas länger dauert und zur Perspektivklärung auch eine detaillierte Abklärung der schulischen Situation nötig ist. Die schulbezogene Betreuung dient aber auch der Förderung elementarer Kontinuität während eines eher kurzfristigen Aufenthaltes. Große Aufmerksamkeit gilt auch der Kontaktgestaltung mit den Schulen und berufsbildenden Einrichtungen. Ein Kontakt ist bei bereits bestehender Anbindung an die Berufsausbildung ebenso wichtig wie bei Schulbesuch.

Gerade bei der Inobhutnahme, aber auch bei schwelender Krise ist eine dichte und kontinuierliche Abstimmung mit dem Jugendamt von besonderer Bedeutung. Gerade die Maßnahmen der Krisenintervention werden detailliert mit dem Jugendamt abgestimmt, Mitarbeiter der Einrichtung nehmen an Gesprächen im Jugendamt teil. Jede Abweichung von in der Leistungsbeschreibung genau definierten Prozeduren und Modalitäten bedarf der sofortigen Abstimmung.

Ergänzt wird die Eigenleistung der Perspektivgruppe und der Inobhutnahme durch den übergeordneten sozialpädagogischen Dienst der Einrichtung. Dieser kann bei besonders gravierenden Krisen, beim einzelfallorientierten Arbeiten oder bei der Notwendigkeit, eine externe Stimme bei besonders gravierenden Problemlagen in Anspruch zu nehmen, die Arbeit ergänzen..

Die Gesamtheit der Leistungen dient dazu, die familiäre Krise in ihren Strukturen und Besonderheiten zu erkennen, die Lage des jungen Menschen sowohl zu diagnostizieren wie vorübergehend zu stabilisieren sowie dann eine Perspektive zu erarbeiten.

 

Qualitätssicherung

Das Angebot ist in die Qualitätsentwicklung der Gesamteinrichtung eingebunden. Dazu gehört z. B. die kontinuierliche Diskussion des Leitbildes auf allen Mitarbeiterebenen, die Überprüfung und Weiterentwicklung von Konzeption und Leistungsbeschreibung. Zu den fachlichen Standards gehören detaillierte Ausarbeitung der Detailkonzepte, eine verlässliche Alltagsstrukturierung und deren Diskussion. Personell abgestützt wird die Qualitätsentwicklung in Teamberatungen, wöchentlichen Leitungssitzungen und die Überprüfung konzeptioneller Standards durch eine interne Evaluation und kollegiale Fallberatung. Zu den Standards gehören ebenfalls detaillierte Prozeduren der Personalentwicklung sowie eine die Pädagogik unterstützende Dokumentation.