Wohngruppe

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Hilfeart und Klientel

Die Wohngruppe erbringt Leistungen nach den § 27 in Verbindung mit 34, 35a und 41 SGB VIII. Wir bieten für 9 junge Menschen ein umfassendes Angebot in pädagogischen und psychologischen Hilfen. Aufgenommen werden Kinder, die in ihrer Herkunftsfamilie oder anderen Familiensituationen nicht zurecht kommen und für die entweder auf Dauer oder befristet eine Herausnahme aus ihrem Lebensumfeld und eine Fremdunterbringung in institutioneller Form angezeigt ist. Wir nehmen junge Menschen im Alter von 6 bis 18 Jahren auf. Eine Betreuung darüber hinaus im Rahmen der Leistungen nach § 41 SGB VIII ist möglich. Nicht aufgenommen werden können junge Menschen mit einer ausgeprägten Selbst- und Fremdgefährdung, mit psychotischen Störungen, gravierenden Suchtproblemen oder bestimmten Formen stärkerer geistiger oder körperlicher Behinderung.

 

Pädagogisches Angebot

Das pädagogische Angebot zeichnet sich aus durch eine methodische Grundorientierung. Ferner werden spezifische Leistungen in der Alltagsgestaltung, der Zusammenarbeit mit Eltern und der Familie, bei systematischen Lernförderungen und der Zusammenarbeit erbracht. Diese Leistungen können ergänzt werden durch zusätzliche Leistungen des sozialpädagogischen Dienstes.

In der pädagogischen Arbeit verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, wir sind der Überzeugung, dass pädagogische Maßnahmen dann erfolgreich sein können, wenn es gelingt, emotionale Beziehung zu den uns anvertrauten jungen Menschen aufzubauen. Zu dieser Betreuung gehört also sowohl eine persönliche wie eine professionelle Komponente, zwischen denen ein optimales Verhältnis herzustellen ist. Zu den methodisch-konzeptionellen Grundsätzen der Arbeit gehören Konsequenz, Kontingenz und Konsistenz.

Konsequenz heißt, dass aufgestellte Normen auch durchgesetzt werden, ohne eine konsequente Normdurchsetzung gewinnen Normen keine orientierende Verlässlichkeit für Kinder und Jugendliche. Kontingenz erfordert, bei Problemen nicht nur zeitnah, sondern möglichst auch nah zum sachlichen Gehalt des Verhaltens eines Kindes zu handeln. Konsistenz ist die Widerspruchsfreiheit zwischen dem Verhalten verschiedener Betreuer, Kinder dürfen nicht durch widersprüchliches Handeln und widersprüchliche Anforderungen der betreuenden Personen desorientiert werden, die normative Abstimmung in den Teams ist deshalb für uns eine zentrale Grundlage des pädagogischen Handelns.

Wir achten die Selbständigkeit und Selbstachtung der jungen Menschen und streben Verantwortungsbereitschaft und Rücksichtnahme in der gesamten Erziehungsatmosphäre an. Das Setzen von Regeln und Rahmenbedingungen wird komplementär ergänzt dadurch, dass wir Partizipation und Eigenentscheidung der jungen Menschen fördern. Insgesamt ist es auch unser Ziel, vorhandene Ressourcen zu nutzen und die Stärken von Kindern und Jugendlichen möglichst zu fördern.

Zentraler Lebensort und auch Ort der pädagogischen Leistung ist zunächst die alltägliche Lebenssituation in der Wohngruppe. Das Gruppenleben orientiert sich an festgelegten Normen und Regeln, jeder kann sich entsprechend seinen Fähigkeiten aktiv an der Gestaltung des Gruppenlebens beteiligen. In diesem Kontext findet auch soziales Lernen statt, die Kinder und Jugendlichen werden im täglichen Gruppenleben dazu angeregt, die jeweiligen Stärken und Schwächen des anderen zu akzeptieren. Die Methodik der Erzieherinnen und Erzieher zielt darauf, die alltäglichen Abläufe zu strukturieren, aber auch ihre Transparenz und Kontinuität zu nutzen. In einer familiären, familienanalogen, aber stärker durch Professionalität gekennzeichneten Alltagssituation können Lernmöglichkeiten und Lernchancen systematisch genutzt werden. Dies gilt auch für Krisensituationen, durch deren Bewältigung gezielt ein soziales Lernen induziert werden soll.

Ergänzt wird diese Alltagsituation durch gezielte Angebote im Freizeit- und Erlebnisbereich, die auf der einen Seite einen Ausgleich zu strukturierten Lernsituationen und Abläufen bieten, auf der anderen Seite aber auch ein Terrain sind, auf dem soziales Lernen stattfinden kann. In der Arbeit bemühen wir uns, die systematischen und eher erlebnisorientierten Komponenten in eine angemessene Balance zu bringen.

Eine besonders ausgeprägte methodische Insel im Ablauf bildet die tägliche Lern- und Fördersituation, das sog. Silentium. Da bei allen stationär untergebrachten jungen Menschen von ausgeprägten Problemen im schulischen Bereich, und zwar sowohl im Leistungsbereich wie im Bereich des leistungsbezogenen Verhaltens auszugehen ist, gilt diesem Bereich eine besondere Aufmerksamkeit. Die jungen Menschen werden jeden Tag in einer spezifisch strukturierten Situation und einer bestimmten Zeit bei ihrer Hausaufgabenerledigung begleitet und zusätzlich individuell gefördert. Diese Arbeit wird täglich dokumentiert, die Dokumentation wird ausgewertet und zu Feedbackzwecken an den jungen Menschen und zur Entwicklung des eigenen methodischen Verhaltens verwendet. Von einer positiven schulischen Entwicklung erhoffen wir uns auch Ausstrahlung auf den Verhaltensbereich des jungen Menschen.

Die zentrale Form der Kooperation nach außen ist zunächst die Zusammenarbeit mit den Eltern und der Familie. Die Elternarbeit beginnt bei uns vor der Aufnahme, wo wir eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern schon vor der Aufnahme anstreben. Dazu führen wir eine ausführliche Anamnese durch, sammeln die zentralen Informationen und erarbeiten möglichst schon im Vorfeld einen pädagogischen Konsens und den Grundriss einer begleitenden Kooperation.

In der Betreuungsphase gestalten wir gemeinsam den Hilfeprozess durch die regelmäßige Einbeziehung der Eltern in die erziehungsrelevanten Fragen und in alle relevanten Perspektivfindungs- und Entscheidungsprozesse. Wir regen eine regelmäßige Kontaktpflege zwischen den Kindern und ihren Eltern an, selbst gestalten wir neben situativen Kontakten unsere Zusammenarbeit durch strukturierte, beratende Elterngespräche im häuslichen Feld oder in der Einrichtung. Bei besonderen Anforderungen in der Elternarbeit kann hier der sozialpädagogische Dienst der Einrichtung herangezogen werden.

In der Ablösephase bereiten wir die Reintegration durch ein Aufsuchen der Familie vor. Wir begleiten junge Menschen in der Familie bei Beurlaubungen und werten die angefallenen Erfahrungen aus.

Insgesamt ist unsere Arbeit mit den Eltern gekennzeichnet durch eine intensive Kontaktaufnahme schon vor der Unterbringung, eine Kooperation mit Grundregelmäßigkeiten während der Unterbringung und eine systematische Zusammenarbeit in der Ablösephase.

Die zweite externe Kooperation, die für uns zentral ist, ist die mit der Schule. Die interne schulische Förderung haben wir oben schon erörtert. Zur kontinuierlichen Kooperation mit der Schule nutzen wir Lehrergespräche sowie persönliche oder telefonische Kontakte, wobei beides selbstverständlich in Abstimmung mit den Eltern geschieht. Ebenfalls wird mit den Bildungsträgern, die für einen Auszubildenden oder Schüler fördernde Bildungsmöglichkeiten finden können, intensiv kooperiert.

Ergänzt wird die Arbeit der Wohngruppe durch den sozialpädagogischen Dienst des Jugendhilfezentrums, der die Arbeit fachlich begleitet. Der jeweilige Aufwand orientiert sich am Einzelfall und dessen Problemstellungen, möglich ist eine Beratung bei Krisen, bei Notwendigkeit, die fallorientierte Arbeit genauer zu durchleuchten oder auch Probleme diagnostisch tiefgründiger zu klären.

Insgesamt bieten wir also eine Arbeit an, die sich durch normative Grundhaltungen kennzeichnet, auf den Säulen der Alltagsgestaltung, der Freizeitgestaltung, der Kooperation mit den Eltern und den Schulen aufbaut, wobei die Arbeit vom Team geleistet und durch einen übergeordneten Sozialpädagogischer Dienst abgesichert wird.

 

Qualitätssicherung

Das Angebot ist in die Qualitätsentwicklung der Gesamteinrichtung eingebunden. Dazu gehört z. B. die kontinuierliche Diskussion des Leitbildes auf allen Mitarbeiterebenen, die Überprüfung prozessbegleitender Weiterentwicklung von Konzeption und Leistungsbeschreibung. Hierzu nutzen wir in allen drei Einheiten den Sozialpädagogischen Dienst als besonderes Angebot unseres Hauses. Zu den fachlichen Standards gehören detaillierte Ausarbeitung der Detailkonzepte, eine verlässliche Alltagsstrukturierung und deren Diskussion, personell abgestützt wird die Qualitätsentwicklung in Teamberatungen, wöchentlichen Leitungssitzungen und die Überprüfung konzeptioneller Standards durch eine interne Evaluation und kollegiale Fallberatung. Zu den Standards gehören ebenfalls detaillierte Prozeduren der Personalentwicklung sowie eine die Pädagogik unterstützende Dokumentation.